|
10 Jahre Selekta Shop
von Lars Brinkmann
Im Winter 1995 ähnelt die Situation der Hamburger Soundsystems in einer Hinsicht der misslichen Lage ihrer jamaikanischen Vorbilder Mitte der Fünfziger: Hier wie dort fehlte es am Rohstoff, dem Vinyl. Während in Jamaika unter anderem die ausbleibenden amerikanischen R&B-Singles auf lange Sicht zur Entstehung von Reggae und damit einer einzigartigen, globalen Musikkultur führten, resultiert wiederum keine vierzig Jahre später in Hamburg aus der Verknappung der Reggae-Tonträger ein zugegeben ungleich profaneres aber auf lokaler Ebene ebenfalls epochales Highlight, der Plattenladen SELEKTA.
Was für den Besitzer und Soundboy Ingo Schepper als eigennützige Selbstversorgung beginnt, wird mit SELEKTA zur liebevollen Dienstleistung. Zuvor diente ihm die Handlung des Westwerk, ein kleiner Laden des Künstlerhauses in Hamburgs Innenstadt, als Ort für seinen "Selekta Reggae Sell Out", bei denen Interessierte die begehrten Tonträger direkt vom Plattenteller wegkaufen konnten. Und Interessierte gab es in Hamburg schon immer genug Ob Hippie, Punk oder Schmuddelkind, spätestens seit dem Ende der Siebziger und der oft beschworenen Vereinnahmung von Jamaikas "Sufferer" durch die "Streetfighting Youth" der |
|